Rückstau durch mineralische Ablagerungen
Eine Eingangsfrage: Woher kommt der Kalk im Wasserkocher und an den Badarmaturen? – Aus dem Trinkwasser. Wie oft entkalken Sie Ihren Wasserkocher? – Wöchentlich, bei Bedarf.
Unsere Rohrleitungen und Kanäle entkalken wir wie oft? – Nie. Bleibt hier auch Kalk zurück?
Um der Frage auf den Grund zu gehen, überlegen wir zuerst, wie und wieso unser Trinkwasser Kalk hinterlässt.
An den Armaturen kann der Vorgang einfach beschrieben werden: Das Wasser verdunstet, zurück bleiben die mineralischen Rückstände, die vorher gelöst waren. Doch verdampft im Wasserkocher genug Wasser, um die Rückstände zu erklären? In geschlossenen Systemen wie Kaffeemaschinen oder Heizungsanlagen verdampft kein bis sehr wenig Wasser – und doch müssen diese Geräte ständig entkalkt werden.
Hintergrund: Calcium und Magnesium lösen sich umso besser in Wasser, je niedriger (saurer) der pH-Wert ist. Bereits ab einem pH-Wert von ca. 8 sinkt ihre Löslichkeit deutlich. Durch das Erhitzen im Wasserkocher wird Kohlendioxid (CO_2) ausgetrieben, der pH-Wert steigt und die Löslichkeit in Wasser nimmt ab – Kalk fällt als Feststoff aus.
Dabei kennzeichnet der Pfeil nach unten (↓) den unlöslichen Feststoff (Kalk/Urinstein) und der Pfeil nach oben (↑) das entweichende Gas.
Wie läuft der Vorgang im Abwasserrohr ab, und ist der Name „Urinstein“ für die Ablagerungen zutreffend?
In unseren Ausscheidungen finden sich unzählige Stoffe und Verbindungen, unter anderem Harnstoff (CO(NH_2)_2) und das Enzym Urease (wird auch von Bakterien gebildet). Dieses Enzym beschleunigt den Zerfall von Harnstoff zu Ammoniak und Kohlendioxid.
Das entstandene Ammoniak reagiert mit Wasser zu Ammoniumionen und Hydroxidionen. Da Hydroxidionen entstehen, steigt der pH-Wert des Gemisches stark an. Das Milieu wird alkalisch.
Wie bereits oben erläutert, führt dies zum Ausfallen von festem Kalk.
Unserer Erfahrung nach wächst die Kalkschicht in den Rohren pro Jahr um 0,5–2 mm.

